Tierärztliche Ernährungsberatung

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Fallbeispiele

Katzenfütterung bei Adipositas

KatzeTobi1 Kater Tobi, 8 kg Körpergewicht

www.pixelquelle.de von Julia

 
Hier wird eine Ernährungsberatung näher beschrieben, wie sie evtl. mit Hilfe des von Frau Dr. Dobenecker entwickelten computerstützten Rationsberechnungs-Programms stattfindet könnte.

 

Haltung: Als reine Wohnungskatze, Einzeltier. Die Besitzer sind berufstätig, Tobi damit tagsüber alleine. Nach schwerer Erkrankung mit Inappetenz und Gewichtsverlust wurde der Kater anschließend „gepäppelt“ !


Problematik: Seit mittlerweile 2 Jahren ist er deutlich übergewichtig, bewegt sich wenig, ansonsten ist er klinisch o.b.B.(Allgemeinbefinden, Blutprofil). Normalgewicht 4,5 kg, Körpermasse z.Zt. 8 kg

Das Normalgewicht wurde einerseits durch eine adspektorische Untersuchung abgeschätzt, andererseits hauptsächlich das Körpergewicht Tobis im Alter von 1 Jahr (jung adult, HAND et al. 1989) als Idealgewicht eingestuft. Zu diesem Zeitpunkt wog Tobi laut Aufzeichnung der Besitzer 4,5 kg.

Fütterung: Die bisherige Tagesration besteht aus folgenden Komponenten (Tagesmengen):
200g Feuchtfutter Yarrah Cat Dinnesowie Nutro Max Adult Trockenfutter jederzeit zur freien Verfügung, geschätzte Menge pro Tag ca. 20
1 kleine Scheibe Fleischwurst (5g) und ca. 1 Teelöffel Leberwurst (5g)
½ Scheibe Schnittkäse (15g)
ab und zu Hühnchenfleisch (statt Feuchtfutter), leckt Joghurt- und Quarkschalen aus

 

Rationsüberprüfung:

Derzeitige Energiezufuhr: Der Energiebedarf richtet sich nach dem Idealgewicht, da die zusätzliche Körpermasse hauptsächlich aus Fett besteht, das keinen zusätzlichen Energiebedarf aufweist. Der durchschnittliche Energiebedarf wird mit 0,67  MJ ME pro kg KM  angenommen.

Geschätzter Energiebedarf: Um Abzunehmen wäre eine Energiezufuhr von 0,4 MJ ME pro kg KM  sinnvoll. Die Überprüfung der Ration zeigt eine massive (zweifache) Überversorgung, die die Gewichtsentwicklung von Tobi erklärt.
Die Energiedichte liegt mit 2,1 MJ ME/100g Trockensubstanz sehr hoch.

Mineralien/Vitaminversorgung: Die als Nebenbefund festgestellte Überversorgung mit Calcium, Natrium, Vitamin A und D muß als praxisüblich bezeichnet werden. Bei gesunden adulten Katzen ist zwar eine direkte Schadwirkung wenig wahrscheinlich, trotzdem sollte auch hier eine Korrektur der Ration angestrebt werden. Eine Ueberversorgung mit Phosphor scheint die Nierenleistung einzuschränken (Pastoor et al.) und sollte auch angepasst werden.

 

Rationsoptimierung:

Um eine Gewichtsreduktion zu erreichen, muß der ermittelte tägliche Energiebedarf reduziert werden. Der Grad der Reduktion muß im Hinblick auf die Gefahr der Entwicklung der Felinen Idiopathischen Hepatischen Lipidose durch erhöhten Fettabbau (Barsanti et al. 1977, Thornburg et al. 1982) individuell ermittelt werden (regelmäßige klinische Untersuchung). In diesem Fall wurde mit einer 70%igen Reduktion des durchschnittlichen Bedarfs begonnen und eine regelmäßige tierärztliche Kontrolle mit Gewichtskontrolle angeraten. Hieraus ergibt sich eine tägliche Energiezuteilung von 0,54 MJ ME. Eventuell muß die Ration bei der Kontrolle angeglichen werden (z.B. weitere Reduktion bei mangelndem Gewichtsverlust).

 

Diätvorschlag:

1.Reduktion der täglichen Energieaufnahme auf (zunächst) 0,54 MJ ME aber es muss auf eine

ausreichende Eiweiss-Versorgung geachtet werden, damit ein Muskelabbau verhindert und ein Muskelaufbau gefördert wird. Das heisst, dass trotz Futtermengenreduzierung mehr als der Erhaltungsbedarf in Punkto Eiweiss gefüttert werden muss.

 2. Verringerung der Energiedichte in der Ration (< 2 MJ/100 TS)

3. Optimierung der Versorgung mit Mineralstoffen und Vitaminen

 4. Erhöhung der Fasermenge mit Futtercellulose (Fa. Phrikolat, Hennef, www.futterzellulose.de )

 

Um dem Patientenbesitzer die Kontrolle der Diät zu erleichtern und hoffentlich die Motivation durch den Nachweis des Erfolgs zu erhöhen, sollte regelmäßig eine Gewichtskontrolle erfolgen und die Daten vermerkt werden. Durch eine grafische Umsetzung („Weightwatcher -Kurve“) ist dies besonders gut möglich. Es werden das Anfangsgewicht vermerkt und evtl. nicht zu weit gesteckte Ziele nach bestimmten Zeiten (z.B. Reduktion ca. 1-2 (1,5) % der KM/Woche).

 Erklärung:

Die absolute tägliche Energiemenge muß reduziert werden, um eine Gewichtsabnahme zu ermöglichen. Daher ist besonders bei der diätetischen Beratung von Besitzern adipöser Patienten der psychologische Aspekt zu beachten, da oft ein „zu großes Herz“ die nötige Konsequenz verhindert. Wird eine Ration mit mäßiger Energiedichte verwendet, kann ein entsprechend hohes Volumen verfüttert werden. Die Energiedichte der Ration wurde daher auf 1,6 MJ ME/100g Trockensubstanz abgesenkt. In diese Richtung zielt auch der Zusatz von Futtercellulose, da aufgrund der Kapazität zur Wasserbindung das Futtervolumen erhöht wird. Der Besitzer kann eine größere Menge verfüttern und bei der Katze besteht die Möglichkeit einer gewissen mechanischen Sättigung. Zusätzlich wird die Verdaulichkeit der Energie durch Faserzusatz verringert.

Um bei einer derart reduzierten Futteraufnahme die Menge an Protein bedarfsgerecht zuzuteilen, müssen sehr proteinreiche Komponenten (wie Quark, mageres Fleisch) verwendet werden. Die Ergänzung mit einem Mineral-Vitamin-Supplement ist zur Versorgung mit den übrigen Nährstoffen nötig, eine Prise Salz deckt den Natriumbedarf der Katze. Oder man setzt ein kommerzielles, kalorienreduziertes Futter ein, das einen überdurchschnittlich hohen Gehalt an Protein, Mineralstoffen und Vitaminen aufweist, damit ein Nährstoffmangel trotz reduzierter Futteraufnahme vermieden wird.  Erhöhte Ballaststoffmengen (Rfa wie Cellulose) erleichtern die Energierestriktion über mechanische Sättigung und verminderte Verdaulichkeit der Energie.

 

Quelle: Institut für Tierernährung, München (www.tiermedizin.de von Frau Dr. Dobenecker)

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