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... Optimale Fütterung - die beste Krankheitsprophylaxe

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Pferdefütterung bei Hufrehe

Ursachen der Hufrehe: Ein Überschuss an Eiweiß löst Hufrehe aus – ein Mythos der auch noch heute weit verbreitet ist. Wissenschaftliche Studien haben aber längst belegt, dass nicht Eiweiß sondern spezielle Kohlenhydrate im Überschuss für die fütterungsbedingte Hufrehe verantwortlich sind.

Man unterscheidet von der fütterungsbedingten Rehe, aber noch z.B. die Geburtsrehe, die Belastungsrehe oder die Rehe, die durch eine Cushing-Erkrankung ausgelöst werden kann.

Hufrehe hat sich in den letzten Jahren zur Zivilisationserkrankung mit oft sehr dramatischem Krankheitsverlauf entwickelt. Zahlreiche Theorien zur Entstehung der Hufrehe und zu Fütterungseinflüssen machen Pferdehaltern mit Hufrehepferden das Leben schwer, da es nicht immer einfach ist sich im Dschungel der Informationsflut zurechtzufinden. Aber eins steht fest: Die wichtigsten Maßnahmen zur Verhinderung einer fütterungsbedingten Hufreheerkrankung und vieler Stoffwechselerkrankungen sind regelmäßige Bewegung und eine bedarfsgerechte Fütterung. Denn die Unvernunft und das mangelnde Wissen vieler Pferdehalter führen zur maßlosen Überfütterung, die in Kombination mit wenig Bewegung letztendlich Hufrehe verursachen kann. Hier wird die Dringlichkeit sichtbar, Pferdebesitzer über eine art- und leistungsgerechte Fütterung des Pferdes zu informieren. 

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Auslöser der fütterungsbedingten Rehe: Übermäßige Aufnahme an schnell verfügbaren Kohlenhydraten (Stärke, Zucker, Fruktane) über Getreide, Melasse, WeidegrasÜbermäßige Aufnahme an stärke- und zuckerreichen Futtermitteln, die vom Pferd nur mangelhaft verdaut werden können (ganzer oder gebrochener Mais, ganze oder gequetschte Gerste, Weizen, Roggen) Aufnahme von Giftstoffen (Schimmelpilze, giftige Pflanzen).

Des Weiteren kann eine dauerhafte Überfütterung zu einer Entgleisung des Zuckerstoffwechsels führen und das Equine Metabolische Syndrom (EMS) auslösen, das bei Pferden u. a. zur wiederkehrenden Hufrehe führt.

Equines Cushing-Syndrom und Hufrehe: Das Cushing-Syndrom beim Pferd ist heute keine seltene Erkrankung mehr, wird aber sehr oft wegen vielfältiger, untypischer Krankheitszeichen nicht erkannt. Dazu gehören Abmagerung, Leistungsabfall, Müdigkeit und Kreislaufprobleme. Hinter sich wiederholenden Hufreheschüben ohne klare Ursachenfindung steckt nicht selten ein Morbus Cushing. Der Verlauf dieser Hufrehen ist oft (nicht immer) milder als der einer Futter- oder Belastungsrehe. Es muss aber darauf hingewiesen werden, dass jede Hufrehe eine lebensbedrohliche Erkrankung darstellt und schnelles medizinisches Eingreifen erfordert. Vermehrt Harnausscheidung (Polyurie) und Trinken großer Mengen (Polydipsie) sind häufig die ersten Anzeichen dieser Erkrankung, die aber in vielen Fällen leicht unbemerkt bleiben. Erhöhte Blutglucosewerte und die Ausscheidung von Glucose im Urin lassen zunächst an einen Diabetes denken. Ältere Pferde (15 - 30 Jahre) sind häufiger betroffen als Jungpferde oder Fohlen.

Fütterung bei Hufrehe/Hufrehe-Prophylaxe: Ausreichende Mengen an gutem Heu und eine leistungsgerechte Kraftfuttergabe sind eine wichtige Voraussetzung für gesunde Pferde. Leider wird dies in der Praxis oft vernachlässigt. Als Faustregel gilt 1,5 – 2 % Heu bezogen auf das Körpergewicht des Pferdes. Ein 500 kg schweres Pferd sollte also 7,5 bis 10 kg Heu täglich bekommen. Pferde im Erhaltungsstoffwechsel kommen gut mit dieser Heumenge und einem Mineralfutter zurecht, ohne dass es der ergänzenden Fütterung von Kraftfutter (Getreide, Müsli, Rübenschnitzel) bedarf. 

Also stets überprüfen, ob Kraftfutter notwendig ist, um eine Überfütterung zu vermeiden. In den Sommermonaten führt zusätzlich ein zu üppiges Angebot an Weidegras schnell zu Energieüberschüssen und ist Auslöser Nr. 1 für Übergewicht.

Ein weiterer Auslöser der Hufrehe – auf jeden Fall bei vorbelasteten Pferden – sind die Fruktane, ein Energiezwischenspeicher der Pflanzen. Darum bitte Weidezeiten beachten: Hohe Fruktangehalte sind zu erwarten, wenn die Pflanze ausreichend Licht (Photosynthese) bekommt und dieses in Energie (Fruktane) umwandelt, diese Energie durch Wachstum aber nicht direkt verbraucht wird, da es zu kalt ist. So kommt es zu einer erheblichen Anreicherung von Fruktanen im Gras (Halm). 

Im Frühjahr und im Herbst sind sehr hohe Fruktangehalte im Gras zu erwarten. Bei kaltem, frostigem Wetter (unter 5 °C) und strahlendem Sonnenschein besteht eine sehr hohe Rehegefahr. Ständig abgefressene Pflanzen haben Stress und lagern große Menge an Fruktanen ein. Nährstoffarmer Boden kann den Gräsern nicht genügend Nährstoffe für das Wachstum liefern; Vorsicht hohe Fruktanbelastung.

Langsame Futterumstellung bei Futterwechsel und Weidebeginn. Pferde sollten mind. 3 bis 4 Wochen an frisches Weidegras gewöhnt werden. Mit 10 Minuten pro Tag beginnen und langsam steigern. Bei Kraftfutterwechsel mindestens 5 bis 7 Tage lang schrittweise das bisherige Kraftfutter durch das neue Kraftfutter ersetzen. Bei Weidegang Portionsweide oder Maulkorb. Die wenigstens Pferde vertragen auf Dauer 24 h Weidegang auf Powergräsern. Zuerst Heu und dann Kraftfutter füttern. Nie Kraftfutter unmittelbar vor dem Weidegang geben.

 Ist ein Pferd einmal an einer Hufrehe erkrankt, so ist es empfehlenswert langfristig ein spezielles Ernährungsprogramm einzuhalten, um einen neuen Hufreheschub zu vermeiden. Denn nun ist das Pferd definitiv vorbelastet und die Rezidivgefahr ist deutlich höher, als bei einem Pferd, welches noch nie Hufrehe hatte.

Das Hauptfuttermittel sollte Heu darstellen. Empfohlen werden Mengen von 1,5 – 2 % bezogen auf das Körpergewicht des Pferdes. Müssen Pferde abnehmen, so ist zunächst eine Menge von 1,5 % des Körpergewichtes ausreichend und kann zusätzlich mit Stroh kombiniert werden (nicht mehr als ¼ der Heumenge, denn Stroh ist schwer verdaulich). Pferde, die nicht abnehmen müssen, erhalten mit 1,8 –  2 % des Körpergewichtes eine gute Heuportion. Die genaue Ration ist letztendlich vom Nährstoffgehalt des Heus abhängig. Im akuten Hufrehe-Stadium empfiehlt es sich Heu zu wässern, da ein großer Teil an Zucker und Stärke aus dem Heu gewaschen werden kann. Dafür sollte man Heu 1 Stunde in kaltes Wasser legen.

Weidegang ist für Pferde, die akut an Hufrehe erkrankt sind, tabu, denn der Zucker- und Fruktangehalt ist stark schwankend und nahezu unberechenbar!

Falls Pferde zusätzlich Krippenfutter benötigen, sind Futtermittel mit niedrigem glykämischen Index wie z.B.  unmelassierte Rübenschnitzel geeignet. Auch Heucobs bieten hier eine gute Alternative, je nach Leistung, Rasse, Alter und individueller Stoffwechsellage. Bei der Wahl sollte stets darauf geachtet werden, dass der Zucker – und Stärkegehalt reduziert ist.

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Vermieden werden sollten vor allem bei stoffwechselbedingter Hufrehe (IR, ECS, EMS): Gras, Getreide und Getreidebestandteile, Müslis und Pellets,Leckerlis,Äpfel, Karotten, Bananen undBrot  

 Pferde, die einmal an Hufrehe erkrankt sind, gelten als stark vorbelastet. Dabei ist neben den oben genannten Fütterungsaspekten auch eine bedarfsgerechte und ausgewogene Versorgung mit Mineralstoffen, Vitaminen, Aminosäuren und Spurenelementen ein ganz entscheidender Faktor. Die genannten Stoffe sind in großem Maße für das Wohlbefinden, den Stoffwechsel und auch die körpereigene Immunabwehr verantwortlich. Eine individuelle Ergänzung über ein passendes Mineralfutter und Zusätze ist daher unerlässlich.

Besondere Beachtung gilt der Magnesiumversorgung, da der Magnesiumspiegel im Blut von Rehepferden oft erniedrigt ist. Bei Untersuchungen am Menschen konnte ebenfalls festgestellt werden, dass bei Insulin-Resistenz oft ein niedriger Magnesiumspiegel vorhanden ist. Auch eine Untersuchung an Ratten hat gezeigt, dass Magnesium im Zusammenhang mit der Insulinresistenz steht.

Ebenfalls ist eine ausreichende Versorgung mit Zink zu sichern. Zink ist an wichtigen Prozessen im Kohlenhydrat-, Protein- und Fettstoffwechsel beteiligt und steht in enger Verbindung mit Insulin. Auch Belastungen des Darmes wie Darmdysbiosen (Störung der natürlichen Lebensgemeinschaft von Bakterien im Darm) und Leberbelastungen bewirken ebenso wie eine erhöhte Belastung des Immunsystems und Stress einen individuellen Mehrbedarf an Zink. Des Weiteren ist Zink für das physiologische Wachstum des Hufhornes mitverantwortlich.  Dadurch ist auch zu erklären, warum Zinkmangel zur Parakeratose (Verhornungsstörung) führen kann.

Auf Grund der antioxidativen Wirkung von Vitamin E und auch Vitamin C sind diese Vitamine bei Rehepferden sicherlich sehr empfehlenswert, da bei diesen Pferden massive entzündliche Prozesse vorliegen. Durch das Rehegeschehen ist oft auch die Eigensynthese von Vitamin C und den B-Vitaminen im Darm gestört. Daher empfiehlt es sich diesen Bedarf über eine sinnvolle Ergänzung zu decken.

Wichtig ist neben einer hohen Verfügbarkeit der verwendeten Wirkstoffe auch darauf zu achten, dass Mineralfutter keine zugesetzten Zuckerverbindungen wie Traubenzucker und Melasse oder Getreidebestandteile enthalten. Einige Firmen haben spezielle Mineralfutter auf den Markt gebracht, das oben genannte Anforderungen erfüllen und zusätzlich zucker- und stärkereduziert sind. Dieses Mineralfutter ist somit für Hufrehe gefährdete oder für an Hufrehe erkrankte Pferde zu empfehlen.

Je nach Schwere des Falles ist es sinnvoll professionelle Hilfe zur Erstellung eines ausgewogenen und bedarfsgerechten Futterplans herbeizuziehen, denn der Gesundheitszustand eines Hufrehe-Pferdes ist in hohem Maße von der Fütterung abhängig!



 

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