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Pferdefütterung bei Equinem Cushing Syndrom

Ursache eines Equinen Cushing Syndroms (ECS): Es wird zumeist ein Adenom der Adenohypophyse (also eines Teils der Hirnanhangsdrüse) vermutet (endogenen Überproduktion von Cortisol in der Nebennierenrinde = NNR - abhängiges Cushing-Syndrom). Diese reguliert die Produktion von Cortisol in der Nebennierenrinde, wodurch der Cortisolgehalt im Blut erhöht ist. Die Nebennieren sitzen den Nieren als kleine Organe, aber lebenswichtige Hormondrüsen, auf. Man unterscheidet die Nebennierenrinde und das Nebennierenmark. Unter Stress wird im Hypothalamus das Hormon CRH (Corticotropin-Releasing-Hormon) gebildet und als Botenstoff an die Hypophyse geleitet. Diese setzt daraufhin das Steuerungshormon Corticotropin oder ACTH (Adrenocorticotropines Hormon) frei, was die Sekretion von Cortisol aus der Nebennierenrinde bewirkt und zwar so viel, wie der Körper momentan braucht, um Energiereserven aus dem Fettgewebe und der Leber (Glycogen-Abbau) zu mobilisieren - ein wichtiger Faktor für das Fluchttier Pferd, um Stresssituationen zu bewältigen. Ist die erforderliche Cortisolkonzentration im Blut erreicht, wird die ACTH-Produktion reduziert. Bei Cushing-Pferden ist dieser Rückkopplungsmechanismus gestört.

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Der Hypothalamus ist verantwortlich für Regulationen, wie der Kontrolle des Wasserhaushalts, Überwachung der Körpertemperatur (dichtes Fellwachstum bei Morbus Cushing durch Hypophysenadenom), Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme und Kontrolle des Kreislaufsystems.

Die Hypophyse produziert vermehrt ACTH und die Nebennierenrinde sezerniert unaufhörlich und unkontrolliert Cortison. Folge davon ist ein gestörter Kohlenhydrat- und Proteinstoffwechsel in Form eines erhöhten Blutglucosespiegels, der vom Insulin der Bauchspeicheldrüse nicht mehr nach unten reguliert werden kann (Insulinresistenz, Polyurie, Glucosurie und Polydipsie). Der gestörte Proteinstoffwechsel führt zum Muskelschwund, vor allem an der Kruppe und an der Oberschenkelmuskulatur.

Morbus Cushing kann Folge einer hochdosierten Therapie mit Glucocorticoiden sein, wie sie beispielsweise zur Behandlung des Sommerekzems oder bei Atemwegsproblemen eingesetzt werden. Hierbei spricht man vom iatrogenen Cushing-Syndrom.

Auffällig ist, dass sehr überwiegend leichtfutterige Pferde – zumeist Angehörige sogenannter Robustrassen – unter den erkrankten Pferden zu finden sind. Dies legt die Vermutung nahe, dass es sich beim ECS um eine „Wohlstandskrankheit“ handelt, die großenteils übergewichtige, unterbeschäftigte Pferde im vorgerückteren Alter befällt. Nicht immer einfach ist die Abgrenzung zum Equinen Metabolischen Syndrom (EMS), einer Stoffwechselkrankheit zu dicker Pferde. ECS und EMS ähneln sich hinsichtlich der Symptomatik, während das EMS häufiger jüngere Pferde befällt, handelt es sich etwa ab dem Alter von 15 Jahren eher um ein ECS. Erkranken junge Pferde, so handelt es sich bei diesen Tieren um den cushingoiden Typ des metabolischen Syndroms. ACTH liegt hier im Normbereich.

Aufgrund der recht unterschiedlichen Erscheinungsbilder der Krankheit kommen aber auch andere Möglichkeiten wie eine altersbedingte Dopamin-Unempfindlichkeit in Betracht. Dopamin spielt bei der Steuerung des Teils der Hirnanhangdrüse eine Rolle, welcher seinerseits wie oben erwähnt die Nebennierenrinde steuert.

Einfluss des Hormons Cortisol: Glucocorticoide werden unter dem Einfluss von Corticotropin, einem Hormon der Hypophyse (Hirnanhangsdrüse), in der Nebennierenrinde (NNR) gebildet. Diese Hormone greifen in vielfältiger Weise in den Stoffwechsel fast aller Organe ein. Bei Morbus Cushing spielt das Glucocorticoid Cortisol (Stresshormon) eine zentrale Rolle. Cortisolüberschuss bewirkt zum Beispiel über den Weg der Gluconeogenese die vermehrte Bildung von Glucose aus Proteinen. Der Cortisol-induzierte Blutzuckeranstieg erfolgt durch die Umwandlung von Glycogen in Glucose und den Umbau von Fett und Protein (Eiweiß) in Zucker bzw. Glucose (Gluconeogenese). Cortisol ist außerdem ein wichtiger Insulin-Antagonist (Gegenspieler). Zur Aufrechterhaltung des Blutzuckerspiegels (Euglycämie) wird mehr Insulin sezerniert, was zur Verminderung der Blutglucose durch Verwertung der Glucose im Gewebe und zur vermehrten Fettsynthese führt. Der verstärkte katabole (abbauende) Effekt von Cortisol an Protein bewirkt eine Abnahme der Muskelmasse (Abbau von Muskelprotein) und eine Schädigung von Knochen (Osteoporose) und Haut.

Das Hormon Cortisol beeinflusst zahlreiche Stoffwechselfunktionen, das Herz-Kreislaufsystem und das Immunsystem. Dadurch entstehen schleichend eine Anzahl der unterschiedlichsten, zum Teil lebensbedrohlichen Gesundheitsstörungen. Cortisol stört den Proteinstoffwechsel, die Insulinproduktion wird gedrosselt, der Blutzuckerspiegel steigt.

Die Symptome eines ECS: Sie werden oft irrtümlich für Alterserscheinungen gehalten. An ECS sollte man denken, wenn 2-3 Symptome aufeinander treffen und andere Krankheiten ausgeschlossen sind.

  • Haarkleidveränderungen
    • dickes langes Winterfell, verzögerter, sich überlagernder Fellwechsel, oft bleiben alte Haare zurück
    • langes Fell im Sommer, oft Löckchenbildung, langer, wuscheliger Kötenbehang
  • übermäßiger Durst begleitet mit häufigem Wasserlassen
  • Abmagerung auch bei gutem Fressverhalten hoher Futtergaben
  • Muskelrückbildung vor allem am Rücken (Hängerücken), mitunter begleitet von Fettpolstern an Bauch (Hängebauch) und Mähnenkamm
  • Hufprobleme (Hufabzesse, Huflederhautentzündung, Hufrehe mit untypischem Erscheinungsbild und auch zu ganz untypischen Jahreszeiten. Diese Rehe kann zur Hufbeinrotation oder -senkung führen, ist aber möglicherweise für das Pferd zeitweise fast schmerzfrei und zeigt daher auch nicht die typische Rehestellung.)
  • Sehnenentzündungen
  • Herz-Kreislaufprobleme bis hin zum gelegentlichen Umfallen
  • seltener auch massive Stoffwechselentgleisungen mit kreuzverschlagähnlichen Symptomen
  • häufige und hartnäckige Infekte, nicht behandelbare Durchfälle/Kotwasser
  • Knochenprobleme, Osteoporose
  • Lethargie
  • Futterverweigerung, bei abnehmender Schutzschicht der Magenschleimhaut und verstärkter Magensäureproduktion Gefahr von Magengeschwüren
  • seltsames Schwitzen ohne ersichtlichen Grund
  • Mauke, Pilzbefall
  • schlechtes Kauen, Heu kann oft nicht mehr zerkleinert werden
  • Ödeme über den Augen
  • im Stehen lassen betroffene Pferde oft den Kopf hängen

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Diagnose Cushing bei Rehe-Pferden: Eine alternative Methode zur Diagnostik des Morbus Cushing ist der TRH-Stimulationstest (TRH = Thyreotropin-Releasing-Hormon), der angewandt werden sollte, wenn ein Hufrehe-Pferd oder ein Rehe-gefährdetes Pferd getestet werden muss. Beim Vorliegen von übermäßig hormonproduzierendem Hypophysengewebe kann durch TRH eine gesteigerte Ausschüttung von ACTH mit daraus resultierendem Cortisolanstieg bewirkt werden. Bei gesunden Pferden zeigt TRH keinen Einfluss auf die ACTH-Freisetzung. Mit der direkten ACTH-Bestimmung kann die Hypophysenfunktion getestet werden. Sie gilt als sehr empfindlich und spezifisch, um Morbus Cushing zu diagnostizieren. Dieser ACTH-Stimulationstest ist aber, bei abnehmender Tageslichtlänge, also im Winter, bei Ponies und Kleinpferden oft falsch negativ ist. Es ist ein risikoarmer Test für Hufrehe-Pferde und kann deshalb auch zur Therapiekontrolle eingesetzt werden. Ein erhöhter Wert ( > 50 Pikogramm/Milliliter) bestätigt die Diagnose Equines Cushing-Syndrom. Dem Pferd wird morgens, nach einer Übernacht-Nahrungskarenz Blut entnommen, das in einem vorgekühlten EDTA-Röhrchen, sofort abzentifugiert werden sollte und schnellstmöglich auf Eis ins Labor geschickt wird. Ansonsten ist die Gefahr des falsch negativen Ergebnisses sehr hoch und man glaubt, dass Pferd sei nicht an Cushing erkrankt, obwohl es dies tatsächlich ist.

Am aussagekräftigsten ist der Dexamethason-Suppressionstest, der aber nicht ohne Risiko ist. Dexamethason hemmt beim gesunden Tier die ACTH-Sekretion und damit die Cortisolproduktion der Nebennierenrinde. Beim Dexamethason-Suppressionstest werden dem Pferd morgens einige Milliliter Blut entnommen und das Cortisol im Serum bestimmt (Basiswert). Dann spritzt der Tierarzt das synthetische Glucocorticoid Dexamethason (40 Mikrogramm / Kilo Körpergewicht) intramuskulär. Nach 20 Stunden erfolgt eine weitere Blutabnahme und die Messung des Cortisols. Ist der Cortisolwert gesunken, liegt kein Morbus Cushing vor (=positiver Suppressionstest), was soviel bedeutet, dass die Cortisolproduktion durch exogenes Glucocorticoid gedrosselt wurde. Bei kranken Tieren liegt eine unzureichende Suppression der Cortisolausschüttung vor (=negativer Suppressionstest), der gemessene Cortisolwert bleibt nahe dem Basiswert.

Weitere notwendige Diagnostik: Vor Beginn der Therapie und zur Abklärung, ob zusätzlich zum Cushing-Syndrom bereits ein Equines Metabolisches Syndrom (EMS) besteht, müssen weitere Laborparameter (Glucose, Insulin,Triglyceride, leberspezifische Enzyme) ermittelt werden.

Hufrehe und Equines Metabolisches Syndrom bei Mb.Cushing-Patienten: Hinter sich wiederholenden Hufreheschüben ohne klare Ursachenfindung steckt nicht selten ein Morbus Cushing. Der Verlauf dieser Hufrehen ist oft (nicht immer) milder als der einer Futter- oder Belastungsrehe Vermehrt Harnausscheidung (Polyurie) und Trinken großer Mengen (Polydipsie) sind häufig die ersten Anzeichen dieser Erkrankung, die aber in vielen Fällen leicht unbemerkt bleiben. Erhöhte Blutglucosewerte und die Ausscheidung von Glucose im Urin lassen zunächst an einen Diabetes denken. Ältere Pferde (15 - 30 Jahre) sind häufiger betroffen als Jungpferde oder Fohlen.

Neben Koliken und vermehrtem Schwitzen, hauptsächlich nachts, treten rezidivierende Hufreheschübe auf. Diese Hufrehen beruhen auf einer gestörten Mikrozirkulation im Huf aufgrund des erhöhten Cortisolspiegels im Blut. Obwohl Cushing-Pferde manchmal mehr fressen, magern sie ab. In vielen Fällen bildet sich eine ähnliche Körperform aus, wie beim Equinen Metabolischen Syndrom mit charakteristischen Fettdepots an Nacken, Lende, Schweifrübe, Genitalregion, Euter und in der Supraorbitalgrube (über den Augen). Die meisten Pferde erleiden den ersten Cushing-bedingten Hufreheschub im Herbst, wenn die Tageslänge abnimmt. Die Cortisolüberproduktion ist auch verantwortlich für oftmals geschwächte Abwehrkräfte der Tiere, die damit anfälliger für virale und bakterielle Infektionskrankheiten (Atemwegsinfekte) und Parasiten (Verwurmung und Ektoparasiten) sind. Weil bei Cushing-Pferden der Hautstoffwechsel nicht normal abläuft, heilen Wunden und auch kleinere Verletzungen meist verzögert ab.

Behandlung des Morbus Cushing: Die Krankheit ist nicht heilbar, aber unter Behandlung haben die meisten Cushing-Patienten noch ein jahrelanges beschwerdefreies Leben. Je früher die Therapie begonnen wird, desto eher bilden sich die Symptome zurück. Der Zustand des Tieres kann sich innerhalb einiger Wochen bis Monate nach Beginn der Behandlung dramatisch verbessern. Wurde Hufrehe als eines von vielen möglichen Symptomen durch das ECS ausgelöst, ist eine oft langwierige und schwierige Bearbeitung der Hufe notwendig. Mit Geduld und vor allem kurzen Behandlungsintervallen sind aber auch hier dramatische Erfolge möglich. Das Mittel der Wahl ist Prascend ad. us. vet., das erst vor kurzem nur für Pferde zugelassen wurde. Es enthält den Wirkstoff Pergolidmesilat, das die übermäßige Produktion von ACTH in der Hypophyse blockiert. (Das frühere Medikament Pergolid , ein Anti-Parkinsonmittel, stammt aus der Humanmedizin und darf bei Pferden nicht mehr angewendet werden). Damit wird der Teufelskreis einer zu hohen Cortisol-Freisetzung mit allen pathologischen Folgeerscheinungen durchbrochen. Desweiteren hemmt Pergolidmesilat die Exkretion von Insulin aus dem Pankreas, weshalb der Einsatz dieses Medikaments beim Equinen Metabolischen Syndrom nachteilig ist. Die Dosierung liegt bei 1 mg Pergolidmesilat, entsprechend 1 Tablette pro Tag, für ein Pferd mit 500 Kilo Körpergewicht. Die Dosierung sollte aber immer individuell festgelegt werden. Dem Pferdebesitzer fällt nach ungefähr 6 Wochen Therapie auf, dass das Cushing-Pferd ein schönes, glänzendes und dünnes Sommerfell ausbildet. Der Fellwechsel verläuft dann meist auch normal.

Fütterung bei Mb.Cushing: Wichtig ist die Versorgung des Pferdes mit entsprechenden Zusatznährstoffen, wie die Aminosäuren Tryptophan und Phenylalanin.  Eine stärkereduzierte Fütterung sowie der Einsatz von geeigneten Mineralfuttermitteln mit optimaler Zusammensetzung der notwendigen sind sinnvolle, die Therapie unterstützende Maßnahmen. Basisfütterung der oft insulinresistenten Cushing-Pferde müssen ausreichende Mengen an gewaschenem Heu oder Heu mit niedrigem Zuckeranteil sein; mit nicht melassierten Rübenschnitzeln und Pflanzenölen kann die Futterration bei Bedarf energetisch aufgewertet werden. Mit ausreichender Bewegung, ohne Stress, können die erhöhten Insulin- und Glucoseblutwerte positiv beeinflusst werden.

Nachweislich hilft Mönchspfeffer (z.B. Equi Life). Der Samenextrakt dieser Pflanze soll die Signalfunktion des Botenstoffs Dopamin, der für die Regulierung der ACTH-Produktion verantwortlich ist, verbessern und damit die kontrollierte Cortisolbildung gewährleisten.

 

 

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