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... Optimale Fütterung - die beste Krankheitsprophylaxe

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Fallbeispiele

Hundefütterung/Diät bei Blutigem Durchfall eines Labradorwelpen

Labrador, 14 Wochen
Derzeitiges Gewicht: 11,6 kg
Endgewicht: 26 (Literaturangabe: 25-30 kg)

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Befunde:

  • Schon nach Kauf des Welpen fiel ein weicher Kotabsatz auf
  • wiederholter blutiger Durchfall mit Schleim
  • wiederholte Harninfektion
  • Immunsuppressiv

Fütterung: 210 g Welpenfutter

Herkömmliche Fütterungsmängel:

  • zu wenig Eiweiss
  • zu wenig Calzium
  • zu wenig Phosphor

 

Ziel der Fütterungsänderungen:

  • Energiebedarf 80% bis zum 5. Lebensmonat um langsames Wachsen zu unterstützen Eiweisse, Mineralien etc. weiter auf 100
  • Ca/P und Eiweissbedarf optimieren
  • Magen-Darm schonendes Produkt, welches für einen wachsenden Welpen angepasst ist
  • Immunabwehr stabilisieren

Ausgehändigte Rezepte:

  • Aufgrund der geringeren Fütterungsmenge des magen-darm-schonenden Welpenfutters, um den Energiebedarf nicht zu überschreiten, musste die Fütterung mit hochverdaulichen Eiweissquellen und Mineralienzusatz optimiert werden
  • Zusätzlich Gabe von Laktobazillen um Darmflora aufzubauen

Zusätzliche Empfehlung:

  • unnötigen Hundekontakt vermeiden um Reinfektion zu vermeiden
  • Kotuntersuchung auf Parasiten
  • weiterer Nachberechnungen zum optimalen Wachstum im 7. und 12. Lebensmonat

Ergebnis:

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Vorerst war der Durchfall deutlich weniger geworden. Es kam aber immer wieder mal zu Rückfällen, insbesondere wenn neue Impfungen oder Entwurmungen anstanden. Es mussten immer wieder auf Hühnchen und Reis zurückgegriffen werden. Hiervon wurde aber insgesamt zu wenig gefüttert, womit ein Zunehmen des Welpen nur bedingt möglich war.

Parvoviren, Giardien, Kryptosporidien und auch Leptospirosen konnten nicht nachgewiesen werden.

Trotz Impfung hatten sich nicht genügend Antikörper gegen Leptospiren gebildet, die bestehende Immunsuppression unterstrich.

Erst nach einer gezielten Kotuntersuchung wurde eine Kokzidiose festgestellt. Kokzidien sind hartnäckige Parasiten, die durch Fütterung von rohem Fleisch übertragen werden können. Eine Uebertragung der Mutterhündin erfolgt dann direkt oder indirekt auf die Welpen. Manche Tiere sind nur Träger der Erkrankung und zeigen keine Symptome. Aber gerade schwache Welpen oder Welpen welche abgesetzt werden und in den Trennungsstress geraten, können sich gegen die Parasiten nicht länger wehren und zeigen Symptome wie blutigen, schleimigen Kot.

Es musste ein kokzidienwirksames Medikament gegeben werden. Seitdem ging es dem Welpen wieder sehr schlecht. Die Darmflora und das Immunsystem war wieder deutlich geschwächt und es erfolgte wieder Erbrechen und Durchfall.

Daraufhin wurde die Ernährung umgestellt auf ein hypoallergenes Futter, welches extrem verdaulich ist und so auch eine evtl. IBD-Erkrankung berücksichtigen könnte, eingesetzt. Da dies kein spezielles Welpenfutter ist, wurden der Mineralien und Vitaminbedarf mit einem entsprechendem Spezialfuttermittel ergänzt. Auch weitere Präparate zur Stabilisierung des Immunsystems wurden eingesetzt. Zudem wurde ein Selbstkochrezept optimiert. Seither ist der Kotabsatz wieder normal.

Die Züchterin gab später an, dass auch alle ihre anderen Welpen blutigen, schleimigen Kot haben.

Leider wurde dies erst spät publik gemacht. Man hätte ständig wechselnde Fütterung vermeiden können, die dem Welpen in der Wachstumsphase nicht gerade unterstützen. Ein Welpe braucht eine kontinuierliche, ausgewogene -dem Welpenalter und Gewicht- angepasste Fütterung.

Der Befund Kokzidiose erklärte warum der Welpe von Anfang an ein Problem mit seinem Kotabsatz hatte und auch auf Impfungen und Entwurmungen erneut mit Problemen des Magen-Darm-Traktes reagierte.

Wichtig ist, dass nicht nur der Züchter seine Hunde nun behandeln lässt und massive Hygienemassnahmen einleitet, sondern auch überprüft, ob es zu einer evtl. Reinfektion kommt. Eine Information aller anderer Welpenbesitzer über den Befall mit Kokzidien sollte selbstverständlich sein, damit auch die anderen Welpen geheilt werden können. Regelmässige Kotuntersuchungen ist man dem nächsten eventuell geplanten, entstehenden Wurf schuldig.

Sein Immunsystem hatte keine Chance….trotz Behandlung sollte immer wieder mal der Kot untersucht werden und Hygienemassnahmen eingehalten werden, da sich Kokzidien auch ausserhalb des Körpers aufhalten können und es evtl. innerhalb des Haushalts wieder zu einer Reinfektion kommen kann. Zum Glück hat der Welpe eine Besitzerin, die nie aufgibt und alles menschenmögliche in Bewegung setzt um Ihrem Hund zu helfen.

Wir wünschen, dass sich der tapfere, kleine Kerl, der sich die gesamte Leidenszeit nicht von seiner guten Laune abhalten liess, nun langsam auf einen richtigen Weg kommt

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